Kulturpolitik
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NOZ Januar 2009
Vor dem endgültigen Schnitt
Von Stefan Lüddemann Osnabrück.
„Schnitt“, „Erlöschen“, „Schließung“ – für die Osnabrücker Stadtgalerie
ist 2009 das Jahr der finalen Wörter. Kein Wunder: Ende Juli soll in den
Räumen an der Großen Gildewart Schluss sein. 15 Jahre Ausstellungsgeschichte
sind dann beendet. So sieht es ein Ratsbeschluss vor. In der Kulturszene
wollen sich damit jedoch nicht alle abfinden.
Während Galerieleiter André Lindhorst unverdrossen sein Programm für das
laufende Jahr vorlegt, richten Kulturmacher Bittbriefe an die Politiker.
Und Dagmar von Kathen, Leiterin des Fachbereiches Kultur, sucht in letzter
Minute nach einem Ausweg. Nachdem von Kathen schon im September 2008 dem
Kulturausschuss mehrere Varianten einer möglichen Fortführung der Stadtgalerie
vorgelegt hatte, kommt das Thema am nächsten Mittwoch im Ausschuss noch
einmal auf den Tisch. Nun darf Dagmar von Kathen neue Entwürfe für denkbare
Alternativen vorlegen. Die Frage lautet dann: Wie sähe eine Fortführung
des Ausstellungsbetriebes in der Stadtgalerie aus – und wie der Betrieb
der bislang noch an der Nobbenburger Straße beheimateten Jugendkunstschule
in dem Galeriecafé?
Eine weitere Variante wird derzeit still und leise im Hintergrund verhandelt.
Danach könnte auch ein „sozialer Betrieb“, so von Kathens Umschreibung,
als Pächter der Stadtgalerie einspringen. Dem Vernehmen nach plant der Betrieb,
sowohl ein gastronomisches Angebot zu machen als auch den Ausstellungsbetrieb
weiterzuführen. Was auch immer passiert, von Kathen erinnert an die bittere
Realität: „Vom 1. August an ist der Zuschuss der Stadtgalerie auf null gefahren.“
Darauf stellt sich gerade auch André Lindhorst ein. Bis Juli plant er mit
der Stadtgalerie, danach soll im Foyer des Stadthauses I eine „Galerie für
junge Osnabrücker Kunst“ wenigstens kleine Präsentationen ermöglichen. Bis
zur Jahresmitte sind noch Ausstellungen wie „Sinkstücke“, eine Schau mit
künstlerischen Ergebnissen einer Tunesienreise Osnabrücker Künstler, sowie
die Austauschausstellung „Haarlem - Osnabrück“ am alten Ort geplant. Ab
August will Lindhorst im Stadthaus Nachwuchstalente vorgestellen. Lindhorst
plant Ausstellungen mit Riki Haas sowie Stefanie Kramer und geht dennoch
nicht zur Tagesordnung über. „Die Stadtgalerie ist unverzichtbar“, sagt
er. Die Osnabrücker Kuntszene brauche diesen Ort, um sich dem Publikum präsentieren
zu können.
In diesem Sinn äußern sich auch Kulturmacher. Renate Michalik, Vorsitzende
der Regionalgruppe des Bundes Bildender Künstler (BBK), hat Oberbürgermeister
Boris Pistorius (SPD) jetzt in einem offenen Brief dringend aufgefordert,
darauf hinzuwirken, dass die Schließung der Stadtgalerie zurückgenommen
wird. Ansonsten käme eine „kulturelle Abwärtsspirale“ in Gang. Schon Anfang
2008 hatte Hiltrud Schäfer, Vorsitzende des Freundeskreises Kunsthalle Dominikanerkirche,
Repräsentanten anderer Kultureinrichtungen gebeten, Briefe und Petitionen
zugunsten der Stadtgalerie an die Ratsmitglieder zu richten. Die Kulturmacher
haben also längst gesprochen. Jetzt warten sie auf eine Antwort der Kommunalpolitik.