BBK Bundesverband
 
  BBK Landesverband

 

Presse 2012

 

Erscheinungsdatum | Tiltel | Referenz


Februar / März 2012 kunst:stück

 


 

3.2.2012 | NOZ


Deftig prangern Klaus Staeck und Jens Raddatz (im Bild) Missstände in Politik und Gesellschaft an.
Foto: Egmont Seiler

 

Zwei Künstler geben sich kritisch


Werke von Klaus Staeck und Jenz Raddatz
im Kunst-Quartier

Osnabrück. Mit provokanten politischen Postkarten und Plakaten wurde Klaus Staeck in den 70er-Jahren berühmt. Im Kunst-Quartier eröffnet der Bund Bildender Künstler (BBK) Osnabrück jetzt eine Ausstellung unter dem Titel „Zum politischen…“ mit Werken von Staeck und dem Osnabrücker Künstler Jens Raddatz.
Es sind eine Auswahl von Staecks Plakaten aus allen Schaffensperioden sowie Werke von Raddatz zu sehen, die sich dem aktuellen Thema „Terror von rechts“ widmen. „In meiner Magisterarbeit an der Universität Osnabrück habe ich mich intensiv mit der Bedeutung des Siebdrucks für die Kunst beschäftigt“, erklärt Raddatz, Erster Vorsitzender der BBK-Bezirksgruppe Osnabrück. Auf die Frage in einem Bogen zum Thema, den er an diverse Grafiker und Künstler verschickte, wen der Empfänger denn für den wichtigsten Siebdruckkünstler halte, bekam Raddatz eine Antwort per Telefon: Staeck rief den Osnabrücker an, um ihm mit einem selbstbewussten Augenzwinkern mitzuteilen, dass natürlich Staeck der wichtigste Siebdrucker sei.
Aus diesem Kontakt entwickelte sich eine Bekanntschaft, die schließlich zu der gemeinsamen Ausstellung im Kunst-Quartier führte. Politik- und Gesellschaftskritik ist angesagt, wenn man die Ausstellungsräumlichkeit betritt. Staecks satirische Angriffe auf die Springerpresse, seine Auffassung, dass unser Grundgesetz nach 50-jähriger Existenz zerlöchert sei oder der Kapitalismus in Form von kenternden Containerschiffen über den Ozean schippert, findet man ebenso in Plakatform wie das Titelblatt zu seinem Buch „Pornografie“. In dem er die Obszönität der Bildersprache in den Medien auf Korn nimmt, die keinen Blutflecken, kein martialisches Bild von Krieg oder Gewalt und keine spektakuläre Enthüllung privater VIP-Lebensumstände unveröffentlicht lassen.
Raddatz zeigt einen Bildzyklus, mit dem er die Bedeutung der Medien für die Aktionen der Roten-Armee-Fraktion (RAF) thematisiert. Per Siebdruck verwandelte er rostende Stahlblechtafeln in eine Art Wandzeitung. Fotos, Zitate, Reproduktionen zum Thema RAF zeigen die Art des gegenseitigen Umgangs der Presse und der Terroristen auf – bis hin zum „Wendepunkt Stockholm“, der Geiselnahme in der dortigen westdeutschen Botschaft.
Mit den aktuellen Werken „Anschlag gegen rechts“ und „Aktion Dönerspieß“ prangert Raddatz den Terror von rechts an. Eine Art Abreißblock eröffnet inhaltliche sowie künstlerische Perspektiven auf rechte Propagandisten wie Rudolf Hess oder Karl-Heinz Hoffmann von der nach ihm benannten Wehrsportgruppe.
Am 23. Februar findet im Kunst-Quartier eine Diskussion zum Thema „Kunst kann mehr als dekorativ – zum politischen Wirken der Kunst“ statt.
BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): Druckgrafik von Klaus Staeck und Jens Raddatz. 3. Februar (Eröffnung um 19 Uhr) bis 16. März, Di., Mi. und Fr. 14–18 Uhr, Do. 15–20 Uhr Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


 


 

Dezember / Januar 2012 kunst:stück


 

9.9.2011 | NOZ


Turid Schuszter (links) und Regine Wolff im Kunst-Quartier.
Foto:Michael Hehmann

 

Werke von Regine Wolff und Turid Schuszter im BBK-Kunstquartier

Kunst als Gefahr?


Osnabrück. „Strategien, die Kunst zu überleben“ ist der Titel einer Ausstellung, die heute Abend im BBK-Kunstquartier eröffnet wird. Zwei Künstlerinnen haben sich diesen geheimnisvollen Namen ausgedacht. Denn warum will man Kunst „überleben“? Viel eher üben sich Menschen doch darin, mit der Kunst zu leben oder Kunst zu erleben.

Bei Regine Wolff und Turid Schuszter geht es also um das „Überleben“, als würde von der Kunst eine Gefahr ausgehen. Doch vor den Werken der Künstlerinnen braucht der Betrachter sich nicht zu fürchten. Auch wenn Regine Wolff in einem ihrer Gemälde ein lichterloh brennendes Haus auf dem freien Land gemalt hat, das in tiefer Nacht von herbeigerufenen Feuerwehrwagen umstellt ist. Das Bild vermittelt etwas von der Faszination des Feuers, von seiner magischen Anziehungskraft, obwohl ihm auch immer etwas zutiefst Zerstörerisches innewohnt.

Ein Objekt von Turid Schuszter birgt ebenfalls etwas Morbides: Totes Getier wie Fliegen, Marienkäfer und Schmetterlinge sammelte sie von ihrem Fensterbrett auf und integrierte es in handgeschöpftes Papier. Unter dem Titel „Ich habe fertig mit mir, mit dir, mit der Welt“ präsentiert sie ein Monotypie-Triptychon, auf dem verzweifelte Menschen am Abgrund oder vor der Trennung stehen. Und die Bäume in einem idyllischen Waldbild mit Reiter von Regine Wolff tragen verräterische rote Ringe, die sie als zum Fällen verurteilt markieren.

Doch damit genug des Pessimismus. Es geht um das „Überleben“. Vielleicht greift Schuszter aus diesem Grund zu Werkstoffen, die für die Ewigkeit bestimmt sind? Die ausgebildete Textildesignerin und Weberin verwandelt Messingdraht und Kupfermaterialien in Gewebe, um daraus Raumobjekte und menschliche Torsi zu kreieren. Ihre Objekte aus Spültüchern deklariert sie augenzwinkernd zu Handtaschen, mit denen man „zur Not auch etwas aufwischen kann“. Derweil betreibt Regine Wolff Vergangenheitsbewältigung: Zwei Fotos von Karl May-Festspielen in der ehemaligen DDR dienten als Vorlage für indianische Reiter, die voller Energie durchs Bild preschen. So überleben sozialistische Kulturphänomene bis in die Jetztzeit.

BBK Kunstquartier (Bierstraße 33): „Strategien, die Kunst zu überleben“. Malerei, Monotypie und Objekte von Regine Wolff und Turid Schuszter. Heute: Eröffnung um 19 Uhr. Die Schau läuft bis 7. Januar 2012, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Weitere Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


Oktober / November kunst:stück


9.9.2011 | NOZ

 


Annie Fischer (links) und Angelika Klemme im Kunst-Quartier. Foto: Jörn Martens

 

„Von innen nach außen“
Stahlrasen vor: Neue Duett-Ausstellung des BBK Osnabrück


Osnabrück. Auf einer runden Stahlplatte, die leicht schief im Raum hängt, befindet sich etwas, was wie ein Stück Rasen aussieht – wären die einzelnen Gräser nicht aus glänzendem Metall. Das futuristische Stück gewebten Stahlrasens steht in starkem Kontrast zu diversen Landschaften, die in Öl gemalt an der Wand hängen. „Von innen nach außen“ ist der Titel der neuen Duett-Ausstellung des Bundes Bildender Künstler (BBK Osnabrück) im Kunstquartier. Auch wenn die Bilder und Objekte sehr unterschiedlich daherkommen, legen sie Zeugnis von der Motivation zweier Künstlerinnen ab, äußere Einflüsse, die auf sie hereinstürmen, mental zu verarbeiten und mithilfe ihrer Werke zu künstlerischen Statements zu machen, die sie wiederum der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Angelika Klemme aus Osnabrück und Annie Fischer aus Stade-Cuxhaven sind diesmal die BBK-Mitglieder, die hier ihre Positionen aufeinanderprallen lassen. Während sich der Drang zum Experiment bei den Objekten Fischers auf den ersten Blick erschließt, arbeitet Klemme bezüglich der Technikerkundung subtiler.

Was bei ihr nach Malerei aussieht, kann sich recht bald als Fotografie entpuppen. Oder als Reproduktion eines gemalten Werkes auf handgeschöpftem Papier. Oder als am Computer bearbeitetes Bild. Gerade bei der Komposition einzelner Bildelemente zu einer größeren Collage mixt Klemme die unterschiedlichsten Quellen und Bildträger. Wie beispielsweise in dem Exponat mit dem Titel „Nocturne“. Hier wählte sie als Motiv Stofffetzen, die an Mull erinnern. Durch die künstlerische Bearbeitung mutieren die textilen Gebilde zu vorsintflutlichen Ur- oder Fabelwesen, Einzellern, die ihre Herkunft verschweigen und die Fantasie des Betrachters beflügeln.
Bei den Objekten Fischers ist man über die assoziative Animation hinaus bemüht, den handwerklichen Aspekt ihrer Arbeiten zu ergründen. Dazu ist es hilfreich zu wissen, dass die Künstlerin eigentlich Bildweberei gelernt hat, die konventionelle Herstellung von Wandteppichen aber schon bald ad acta gelegt hat, um sich der Kunst zu widmen. So stellt sie unter dem Titel „Textile Botschaften“ Hemden aus Metall-Gaze oder Kunststoffgewebe her, an denen sie Sisalfäden, Garne, Rosshaar und andere Materialien appliziert.

Kleider, die in der Regel als Schutz gegen äußere Einflüsse gedacht sind, werden hier zu abstrakt-durchlässigen Kimonos, die eher dazu dienen, eine fantastische Fassade zu errichten. Bei dem rund gewebten „Arkadischen Traum“ wird die Hoffnung auf ein besseres, idealisiertes Leben negiert, und mit dem Objekt „Refugium“ kombiniert Fischer urwüchsige Natur und urbane Umgebung mit kunsthandwerklichen Positionen.

BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „Von innen nach außen“. Malerei, Mixed Media und Objekte von Angelika Klemme und Annie Fischer. 9. September (Eröffnung um 19 Uhr) bis 5. November, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de

 

 


 

 

24.06.2011| NOZ

Christine Brand und Ulrike Emmanouilidis stellen im BBK-Kunstquartier aus

Gegensätze unter einem Dach

Osnabrück. Die eine hebt ihre Fundstücke aus der Natur in handgearbeiteten Papierschalen auf, die andere erzeugt mit ihrer Malerei surreale Räume mit skurrilen Maschinen und leeren Bühnen. Die eine gehört dem Bund Bildender Künstler (BBK) Ostwestfalen-Lippe an, die andere dem BBK Osnabrück. Gemeinsam haben Christine Brand und Ulrike Emmanouilidis für das BBK-Kunstquartier eine Ausstellung zusammengestellt.


Gemeinsame Ausstellung: Ulrike Emmanouilidis (links) und Christine Brand.
Foto: K. Lindemann

Seit einigen Jahren führt der BBK Osnabrück Künstler aus der Region mit Kollegen oder Kolleginnen aus einer anderen Bezirksgruppe Deutschlands zusammen. So treffen unterschiedliche künstlerische Positionen aufeinander, sorgen für Ecken und Kanten oder führen unter einem Thema inhaltlich zusammen. Bei Brand und Emmanouilidis finden sich keine Gemeinsamkeiten bezüglich der Arbeitsweise und auch nicht bezüglich der Aussagen. Hier die farbintensiv gemalten Räumlichkeiten, die viel Platz für Spekulationen und Assoziationen bieten, dort die schwarzen, weißen oder in Graustufen erscheinenden, bisweilen bizarr gestalteten Papierobjekte, die relativ klar zu Themen wie Umwelt und Natur Stellung nehmen.

Das wird der Grund gewesen sein, warum die beiden Künstlerinnen ihrer Ausstellung den Titel „Pro & Contra“ gaben. Der provoziert allerdings die Frage, ob die eine hier für einen bestimmten Standpunkt Stellung bezieht, während die andere dagegen aufbegehrt. Die Frage muss mit Nein beantwortet werden. Es sind eher die Arbeitsweisen, die hier das Für und Wider entfachen.

Darf man beispielsweise Räume malen, die so verschroben konstruiert sind, dass sie in der Realität keine Chance hätten? Die nicht einmal den Anspruch haben, die architektonische Konfusion eines M.C. Escher auf die Spitze zu treiben? Nein, Emmanouilidis’ Räume funktionieren gar nicht, sind provokant perspektivlos, menschenleer, flach und mysteriös. Einzelne Attribute wie menschliche Schatten, defekte Strickleitern oder rätselhafte Apparate und Maschinen führen zu extremer Verwirrung und lassen an der eigenen Wahrnehmung zweifeln. In der Mitte der Galerie findet man dagegen grün angemalte Fundstücke wie Tannenzapfen, kleine Stücke Baumrinde oder Kastanienfrüchte, die per Wachsblock konserviert in Papierschalen ihr letztes Refugium fanden – eine Arbeit von Christine Brand, die unter dem Einfluss der Folgen entstand, die der Orkan Kyrill seinerzeit hinterließ. Die Botschaft ist klar: Hier wird eine Art musealer, mit rot-weißem Flatterband geschützter Naturraum geschaffen – letztes Reservat möglicherweise aussterbender Erdareale.

Auch zum Thema „Der gläserne Mensch“ bewahrt Brand Objekte in ihren papierenen Rückzugsräumen: auf Acrylplatten gezeichnete Symbole der Überwachung. Mit der Installation „gedankenLos“ erinnert sie explizit an die Nazi-Widerstandsaktivitäten der „Weißen Rose“.

BBK Kunstquartier (Bierstraße 33): „Pro & Contra“. Malerei und Objekte von Ulrike Emmanouilidis und Christine Brand. Freitag, 24. Juni (Eröffnung um 19 Uhr), bis 3. September, Di.–Fr. 15–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de

 
Juni/Juli  kunst:stück


11.06.2011| NOZ

BBK Kunstquartier startet neue Reihe „Forum Kunst“

Reise in die Geschichte der Fotografie

Osnabrück. „Kann Fotografie Kunst (sein)?“ Einmal mehr wurde diese Frage gestellt und diskutiert, die kaum einer mit Nein beantwortet. Doch hängt es stark von der Definition Kunst ab, um ein bestimmtes Foto als solche zu klassifizieren.

Da genügt es vielen Kennern der Materie nicht, ein Fotomotiv stark zu inszenieren, um es wie ein Gemälde aussehen zu lassen. Andererseits kann ein ganz einfaches Fotoporträt eine solch intensive Ausdruckskraft besitzen, dass es einem gemalten Porträt schlichtweg überlegen ist. „Allein schon von unserer Hausordnung wird Fotografie als Kunst definiert“, erklärte Friederike von Behren, Dozentin für Fotografie an der Universität Osnabrück, anlässlich ihres Impulsreferats im Kunstquartier des BBK im Rahmen der neuen Reihe „Forum Kunst“. Außerdem gebe es Fotografien, die auf dem Markt zum Teil höher gehandelt würden als Werke der klassischen Genres. Außerdem verwies sie darauf, dass in Galerien und Studios beinahe mehr Fotokunst gezeigt werde als anderes. Allerdings sei der Markt natürlich kein adäquater Parameter, um die Qualität von Kunstwerken zu beurteilen. Anhand vieler Beispiele begab sich die Dozentin mit den Zuhörern auf eine Reise in die Geschichte der Fotografie seit ihrer Erfindung 1839. Unter dem Aspekt Frauen und Jugend zeigte sie Werke der englischen Pionierin Clementina Lady Hawarden, die schon früh im 19. Jahrhundert Beispiele künstlerischer Fotoarbeiten anfertigte. Diese konterkarierte von Behren mit zeitgenössischen Fotokünstlerinnen wie Hellen van Meene, Sarah Jones und Francesca Woodman. Abschließend formulierte sie die gestellte Frage um: „Kann Kunst Fotografie (sein)?“ Daran schloss sich eine lebhafte Diskussion an, in der Fragen der beliebigen Reproduzierbarkeit von Fotografien und zum Problem der inhaltlichen Vermittlung gestellt wurden.



 14.04.2011| NOZ


Kritisieren mit den Mitteln der Kunst: Seyhan Boztepe, Sylvia Lüdtke, Denizhan Özer
Foto: Klaus Lindemann

Der kleine Unterschied als Mittel der Orientierung

Neue Ausstellung im BBK-Kunstquartier Osnabrück.


Eine türkische Frau steht vor einer mit Schmiedeeisen verzierten
Haustür, den Kopf abgewandt, die Augenlider geschlossen.
Erschöpfung und Resignation sprechen aus der Haltung,
die der türkische Künstler Seyhan Boztepe mit seinem Fotoapparat
eingefangen hat. Fünf großformatige Fotos mit ähnlichen Motiven
sind zurzeit im BBK-Kunstquartier zu sehen.

Zusammen mit seinem Kollegen Denizhan Özer und der in der Region Osnabrück
lebenden Künstlerin Sylvia Lüdtke hat Boztepe eine Gemeinschaftsausstellung
realisiert, in der es um den überforderten Menschen in einer hoch technisierten
Welt geht. Ständig leidet der globalisierte Mensch unter Zeitknappheit.
So hastet er von Ort zu Ort und verliert die kulturelle Identität und damit die
Orientierung. Symbol für die Entindividualisierung unserer Städte sind für Özer
ihre Flughäfen. „Ob Frankfurt, London, Dubai oder Münster/Osnabrück,
alle Flughäfen sehen gleich aus“, so Özer. Aus diesem Grund fotografiert er
Szenen in Flughäfen, mit schemenhaften Menschen, die scheinbar ziellos durch
eine unpersönliche, geradezu abweisende Kulisse eilen. Ganz anders als ihre fotografierenden Kollegen aus der Osnabrücker Partnerstadt Çanakkale
arbeitet Sylvia Lüdtke.
Sie häkelt aus verschiedenen Metalldrähten Zeittunnel für den gestressten
Menschen, den sie aus kleinen Papierfiguren modelliert. Zeitebenen werden
getrennt, Individuen werden polymorph, lösen sich in unabhängig voneinander
agierende Teile auf, die bisweilen auch komplett aus dem System
herauskatapultiert werden – wie in der Installation „Entschleunigung“.
Die Gemeinschaftsausstellung verfolgt das Ziel, Künstler zusammenzubringen,
die zu ähnlichen Themen arbeiten. Das Prinzip, dass es sich um Künstler des
Bundes Bildender Künstler BBK handeln soll, wird mit diesem Projekt durchbrochen,
um Künstler aus Osnabrücks türkischer Partnerstadt präsentieren zu können.


BBK Kunst-Quartier,
Bierstraße 33:
„Im Leben einer Minute“.
Fotografie und Installationen von:
Sylvia Lüdtke, Denizhan Özer und Seyhan Boztepe.
Bis 18. Juni,
Di. –Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr.


2011| express  Das  Deutsch–Türkische Magazin für Stadt und Landkreis Osnabrück

 


April/Mai  kunst:stück


 03.02.2011| NOZ

Relikte aus der Zeit vor E-Mail und SMS


Installation trifft Malerei:
Petra Eckhardt (links) und Beate Lucas.
Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Früher gab es Maskenbälle, um das tiefe Verlangen
nach anonymem, lustvollem Kontakt zu anderen Personen zu
befriedigen. Heute werden aus ähnlichen Gründen im Internet
„Blind Dates“ verabredet. Diesen Zusammenhang zwischen
gestern und heute stellt die Künstlerin Petra Eckardt in ihrem Bild
„Blind Date“ her, das sie für eine Ausstellung selben Titels im
Kunstquartier des Bundes Bildender Künstler (BBK) schuf.
Bunte Masken auf mehrfarbigem Untergrund, der teilweise mit
hellem Blau übermalt wurde, zeugen von dem Wunsch, zu
verdecken oder unentdeckt zu bleiben.

Anders verhält es sich bei den beiden Künstlerinnen, die sich
anlässlich dieser Ausstellung zum „Blind Date“ verabredet haben.
„Ich habe im Internet nach einem Kollegen für dieses Partner-
Projekt des BBK gesucht, bei dem sich ein Mitglied der hiesigen
Bezirksgruppe mit einem BBK-Mitglied aus einem anderen
Bundesland zusammentut, um eine gemeinsame Ausstellung zu
konzipieren“, sagt Beate Lucas aus Salzbergen. Mit Petra
Eckardt fand sie eine Künstlerin, die durch gemeinsame Wurzeln
mit ihr verbunden ist: Beide studierten in Münster Kunst und
textiles Gestalten fürs Lehramt, wie sie bei ihrem ersten Treffen
in Kamen erfuhren. Damals machten sie Nägel mit Köpfen: Die
Ausstellung mit dem Titel „Blind Date“ war beschlossene Sache.

So trifft jetzt Installation auf Malerei. Einen großen Teil des
Galerieraumes nehmen Briefe ein, die Lucas im Laufe von 18
Jahren einer Brieffreundin geschickt hat. Eingescannt und als
Duplikat auf Postamenten drapiert, dokumentieren die Briefe eine
vergangene Ära vor E-Mail und SMS. Ein besonderes und intimes
Tagebuch schrieb Lucas dagegen mit ihrer Installation „Rapid
Body Movement“. An 34 Tagen machte sie morgens ein Foto
ihres Bettlakens. Die auf Leinen gedruckten Abbildungen hängen
jetzt als äußerst plastische Zeugen unruhiger Nächte an der Wand.
Wie Lucas, die auch prozesshaft mit Tonschalen und
Naturtinkturen experimentiert, testet Eckardt das Zusammenspiel
verschiedener Materialien aus. So verbindet sie Farbe mit Stoffen
wie Sand, in den sie im feuchten Zustand florale Muster kratzt,
um sie mit monochromen Flächen zu kontrastieren. Oder sie geht
auf nicht gegenständliche Spurensuche mit Blei.
BBK Kunst-Quartier, Bierstraße 33: „Blind Date“. Malerei und
Installationen von Petra Eckardt und Beate Lucas. Freitag, 4.
Januar (Eröffnung: 19 Uhr) bis 9. April, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa.
11–15 Uhr. Infos: www.bbk-osnabrueck.de
Autor: Tom Bullmann


kunst:stück | Februar/März 2011


 

03.02.2011| Osnabrücker Sonntagszeitung


 

03.12.2010| NOZ

Wilhelm Plogmann und Ulrich Kügler stellen im BBK-Kunstquartier aus
Inspiration durch Klostergebäude und Satzfragmente

thb Osnabrück. Der eine lässt sich von der kontemplativen Ruhe in Klostergebäuden anregen, der andere von Satzfragmenten, die er in Zeitschriften findet: Wilhelm Plogmann und Ulrich Kügler. Die Kunstwerke, die auf diesen Inspirationsquellen beruhen, stellen die beiden Künstler ab heute im Kunst-Quartier des Bundes Bildender Künstler BBK aus.

Zum Jubiläum des Kunst-Quartiers, die Galerie existiert bereits seit fünf Jahren, wird an dem Prinzip festgehalten, jeweils ein BBK-Mitglied aus unserer Region mit den Werken eines Künstlers von außerhalb zu konfrontieren. Obwohl das Konzept in der Vergangenheit auch zu harmonierenden oder sich gegenseitig ergänzenden Ausstellungsresultaten führte, so passt das Wort Konfrontation in der aktuellen Konstellation recht gut. Denn obwohl beide Künstler ihre Exponate aufeinander abgestimmt und diese zum Teil für die Schau angefertigt haben und obwohl beide sie unter dem Titel „non permanent“ präsentieren, sind die Werke doch unterschiedlich in Form und Aussage.

Plogmann malt. Seine überwiegend auf blauer und weißer Farbgebung basierenden Bilder zeigen symmetrisch angeordnete Objekte, die architektonisch aufgebaut sind. Konstrukte, die an Schubladen oder neuzeitliche Wasserspiele erinnern, lassen das Auge auf Entdeckungstour im Bild gehen. Allerdings führt der in Osnabrück lebende Plogmann oftmals auf eine falsche Fährte, er spielt mit der Perspektive und den geometrischen Gegebenheiten, bis die Binnenstruktur etwas Surreales bekommt.

Ulrich Kügler installiert. Für die Osnabrücker Ausstellung kreierte der in Minden arbeitende Künstler vier aktuelle Rauminstallationen, die unter dem Stichwort „Pilot im Chaos“ versuchen, biografische Aspekte und physikalische Welterklärungsmodelle miteinander zu verbinden. Aus Alltagsmaterialien wie Schuhen, Handfegern, Schraubzwingen und Kehrblechen konstruiert er Objekte wie den Stuhlturm mit dem Titel „Pilot im Chaos – Durchlässiger Kristall“.

BBK Kunst-Quartier (Bierstraße 33): „non permanent“. Malerei und Installationen von Wilhelm Plogmann und Ulrich Kügler. 3. Dezember (Eröffnung um 19 Uhr) bis 29. Januar, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de

Neben dem Stuhlturm von Ulrich Kügler steht Wilhelm Plogmann vor seinen Gemälden. Foto: Klaus Lindemann